KZ-Gedenkstätte Moringen

Die Gedenkstätte als außerschulischer Lernort

Als außerschulischer Lernort hält die KZ-Gedenkstätte Moringen zahlreiche Angebote für Schüler*innen bereit. Sie sind auf alle Schulformen orientiert und richten sich daher gleichermaßen an Haupt- und Oberschulen, Gymnasien wie auch an Förder- und Werkstattschulen, Berufsbildungswerke sowie Einrichtungen der Berufsförderung und an Ausbildungsbetriebe.

Die Bildungsangebote der Gedenkstätte sind für verschiedene Niveaustufen konzipiert und umfassen sowohl Angebote für die Sekundarstufe I als auch die Sekundarstufe II. Sie bedienen schwerpunktmäßig Themenbereiche der Curricula Geschichte und Gesellschaftslehre, aber auch der Fächer Deutsch, Werte und Normen sowie Religion. Darüber hinaus bietet die KZ-Gedenkstätte Moringen ein eigenes Angebot für den 6. Jahrgang an.

Unser Ziel ist ein individualisiertes und an den Bedürfnissen unserer Besucher*innen orientiertes Angebot. Daher bitten wir Sie bereits bei der Kontaktaufnahme, ihre Wünsche mitzuteilen und anschließend im Gespräch mit der/dem Sie betreuenden Mitarbeiter*in zu konkretisieren.

Frauke Heiligenstadt, ehem. nds. Kultusministerin
Die Gedenkstätte Moringen hat die Potenziale aufgegriffen, die die Geschichte des ehemaligen Jugend-KZ für die Bildungsarbeit heute bietet. Durch die Beschäftigung mit den Schicksalen...
Ansprache vom 11.4.2015
"... derjenigen, die auf unterschiedlichen Wegen in das Jugendschutzlager gerieten und am Beispiel einer Politik, die anstelle von Inklusion und Förderung die Ausgrenzung, das Wegsperren und die Zwangsarbeit von nicht angepassten Jugendlichen in den Vordergrund stellte, gelingt es hier in besonderer Weise, die Jugendlichen von heute zu erreichen und sie für antidemokratische Entwicklungen zu sensibilisieren."

Kerncurriculum (KC) Geschichte und Gesellschaftslehre

Folgende inhaltsorientierte Kompetenzbereiche der KC Geschichte und Gesellschaftslehre zum Thema Nationalsozialismus können weitgehend biografiegeleitet erarbeitet werden:

Umbildung von der Demokratie zur Diktatur und der Machtsicherung

Das in den Curricula für verschiedene Schulformen der Sekundarstufe I zentrale Thema der Umbildung von der Demokratie zur Diktatur und der Machtsicherung kann v.a. anhand der Geschichte des Männer-KZ erarbeitet werden.

Politische Gegner aus der Region wurden unter Zugrundelegung der sog. „Reichstagsbrandverordnung“ oder der sog. „Heimtückeverordnung“ ab Frühjahr 1933 im Moringer Männer- KZ inhaftiert. Neben der Ausschaltung politischer Gegner kann in diesem Zusammenhang auch die Einführung und Anwendung von NS-Sondergesetzen als eines Aspektes der Umbildung und Machtsicherung vertiefend thematisiert werden.

Widerstand

Das in den Curricula verschiedener Schulformen ebenfalls zentrale Thema Widerstand bietet vielfältige Anknüpfungspunkte an die Geschichte der Moringer Konzentrationslager: Während des Bestehens des Männer- und Frauen KZ wurde eine große Anzahl politischer Gegner im KZ-Moringen gefangen gehalten. Auch im Jugend-KZ waren einige Jugendliche wegen widerständischer Handlungen inhaftiert. In diesem Zusammenhang kann den vielfältigen Erscheinungsformen von Widerstand und der Frage danach, was Widerstand eigentlich ausmacht, nachgegangen werden. 

Nationalsozialismus und deutsches Selbstverständnis

Auch für die Oberstufe ist das Thema Widerstand zentral. Im Rahmen des Themas „Nationalsozialismus und deutsches Selbstverständnis“ des Rahmenthemas 3 “ Wurzeln unserer Identität“ ist als ein Schwerpunkt das Thema „Widerstand und Anpassung“ ausgewiesen.

AbiBOX

In diesem Zusammenhang verweisen wir auch auf den Beitrag der KZ-Gedenkstätte Moringen zum Jugend-KZ Moringen in der "AbiBOX" Geschichte im Band "Wurzeln unserer Identität".


NS-Ideologie

Zudem wird für die Oberstufe, aber auch für die Sek. I als weiterer Schwerpunkt die Behandlung der NS-Ideologie genannt. Eine Auseinandersetzung mit der NS-Ideologie kann über vielfältige Zugänge bzw. Biographien ehemaliger Moringer KZ-Häftlinge erfolgen: beispielsweise anhand von Biographien aus rassistischen Gründen verfolgter Sinti, die zunächst im KZ in Moringen inhaftiert waren und 1943 nach Auschwitz deportiert wurden oder anhand von Biographien Jugendlicher, die aufgrund von Unangepasstheit als „Volksschädlinge“ oder „Gemeinschaftsfremde“ aus der sog. „Volksgemeinschaft“ ausgeschlossen und ins KZ Moringen eingewiesen wurden.

Auswirkungen des Zweiten Weltkrieges auf die Zivilbevölkerung

In diesem Zusammenhang bieten sich ebenfalls Möglichkeiten, die NS-Sondergesetzgebung zu betrachten, aber auch Ausgrenzungsmechanismen zu reflektieren und die Ausweitung von Repressionen gegenüber der deutschen Zivilbevölkerung als Auswirkungen des Zweiten Weltkrieges auf die Zivilbevölkerung zu thematisieren.

Zwangsarbeit

Als eine Auswirkung des Zweiten Weltkrieges kann beispielsweise das ebenfalls in den KCs ausgewiesene Thema Zwangsarbeit und die Behandlung von Zwangsarbeitern im Allgemeinen anhand von Häftlingsbiographien aufgegriffen werden. Beim Thema Zwangsarbeit bieten sich zudem Verknüpfungspunkte zum Thema Entschädigung für NS-Zwangsarbeit: Auch die jugendlichen KZ-Häftlinge mussten Zwangsarbeit verrichten.

Die Geschichte des Kampfes um eine Entschädigung für die geleistete Zwangsarbeit, aber auch um die Anerkennung der KZ-Haft bieten Ansatzpunkte für die Erarbeitung der Nachkriegsgeschichte bzw. des Umgangs mit der NS-Geschichte im Nachkriegsdeutschland.

DP-Camp

Teil der Nachkriegsgeschichte Moringens war zudem, dass auf dem ehemaligen Konzentrationslagergelände nach dem Krieg ein Displaced-Person-Camp eingerichtet wurde.

Auseinandersetzung mit Schuld und Verantwortung nach 1945

Über die Geschichte des DP-Camp kann nicht nur das für die Oberstufe relevante Thema „Hintergründe der Zwangsmigration im Kontext des Zweiten Weltkrieges“ aufgegriffen werden, sondern auch ein Bogen geschlagen werden zum inhaltliche Schwerpunkt der Auseinandersetzung mit Schuld und Verantwortung nach 1945. Für diese Auseinandersetzung ist die Aufarbeitung der KZ-Vergangenheit des Ortes bzw. die Auseinandersetzung der ortsansässigen Bevölkerung mit der Geschichte ihrer Stadt und nicht zuletzt die Geschichte der Entstehung der KZ-Gedenkstätte in Moringen zentral.

Täterschaft

Darüber hinaus bieten sich Zugänge über das Leben ehemaliger Angehöriger des Lagerpersonals nach 1945. 

Weitere Themen

Neben diesen in den Curricula als Schwerpunkten formulierten Themen, bieten wir Workshops oder Führungen mit unterschiedlicher Fokussierung an, die sämtlich auf die Moringer Lager rückbezogen werden können, so z.B. die Verfolgung der sog. Swing-Jugend, das Thema Kriminalbiologie, „Auslese und Ausmerze“, Zwangssterilisation, Sprachgebrauch im Nationalsozialismus, Verfolgung Homosexueller, Verfolgung von Zeugen Jehovas, Verfolgung von Sinti und Roma, die Verfolgung von Kommunisten und Sozialdemokraten.

 

Empfehlungen für den Besuch der Gedenkstätte

Vor- und Nachbereitung

Zum Erfolg des Besuches eines außerschulischen Lernortes trägt auch eine sorgsame Vor- und Nachbereitung bei. Gern unterstützen wir Sie dabei.

Zeitempfehlung

Wir empfehlen für eine Führung 2,5 bis 3 Stunden und für einen Workshop oder Projekttag mit Pausen 5 bis 6 Stunden einzuplanen.

Gruppengröße

Wir empfehlen eine Gruppengröße von 30 Personen nicht zu überschreiten.