KZ-Gedenkstätte Moringen

Remigrantin

Gabriele Herz

Gabriele Herz wird im Oktober 1936 als fünfzigjährige in das Konzentrationslager Moringen eingeliefert. Die Frau des ehemaligen Direktors des Ullstein-Verlags wird wegen zweier längerer Italienaufenthalte als “Remigrantin” betrachtet. Remigration zog auf Grund eines Geheimerlasses vom Februar 1935 eine Inhaftierung nach sich. Im Falle Gabriele Herz kommt hinzu, dass sie Jüdin ist und ihr Mann einen als liberal geltenden Verlag geleitet hatte. Die Gestapo verhängt eine Haftzeit von drei Monaten, wie oft in diesem Fällen werden die Häftlinge aber über das tatsächliche Ende der Haft im Unklaren gelassen. Besonders Jüdinnen sind erheblich länger inhaftiert worden als ursprünglich verfügt. So auch Gabriele Herz.

Über ihre Haftzeit in Moringen verfasst sie 1942 im Exil in New York einen umfangreichen Bericht. Über die von allem Frauen als schrecklich empfundene Postsperre schreibt sie:

“Wir waren an unserer empfindlichsten Stelle getroffen. Man kann sich in der Freiheit kaum eine Vorstellung davon machen, welche Bedeutung die Post für den Gefangenen hat. Die Briefe, die wir erhalten und absenden, sind für uns nicht nur die Verbindung mit der Außenwelt, sonder mit dem Leben überhaupt. Ohne sie wäre diese völlige Aufgabe unserer früheren Existenz eine unerträgliche Qual. Sie schlagen die Brücke von einer unerquicklichen Gegenwart zu einer besseren Vergangenheit und zu einer mehr ersehnten als klar geschauten Zukunft. Ohne diese Brücke müssten wir verzweifelt zusammenbrechen. Die Briefe bringen uns trotz unserer zwangsmäßigen Isolierung wieder in Zusammenhang mit einem größeren, weiteren Geschehen, sie nehmen von uns, da sie uns immer wieder vor neue Probleme stellen, das niederdrückende Gefühl einer unnützen und überflüssigen Scheinexistenz, eines lebendig Begrabenseins.”

Nach ihrer Haftentlassung im März 1937 emigriert sie gemeinsam mit ihrem Mann so schnell wie möglich in die USA. In New York arbeitet sie zunächst als Putzfrau in einer Klinik.
1942 schloss sie ihr Manuskript über ihre Haftzeit in Moringen ab, das Buch soll demnächst, nach über sechzig Jahren, in englischer Übersetzung in den USA erscheinen. Gabriele Herz starb 1957 in New York.

 

 

 

Zur Vertiefung

Gabriele Herz: The women´s camp in Moringen: a memoir of imprisonment in Germany, 1936-1937. Translated by Hildegard Herz and Howard Hartig. Edited and with an introduction by Jane Caplan. New York, Oxford 2006.


Ursula Krause-Schmitt, Im “Judensaal” des Frauenkonzentrationslagers Moringen. Aus den 1938 in Lugano/Schweiz begonnenen und 1942 im US-amerikanischen Exil vollendeten Erinnerungen von Gabriele Herz, in: Dokumente, Rundbrief der Lagergemeinschaft und Gedenkstätte KZ Moringen e.V. 19, 2000, S. 6-12.


Jane Caplan: “Schutzhaft” im Frauen-Konzentrationslager Moringen 1936-1937. In: Giesela Bock: Genozid und Geschlecht. Jüdische Frauen im nationalsozialistischen Lagersystem. Frankfurt, New York 2005, S. 22-43.