KZ-Gedenkstätte Moringen

Sogenannte "Rasseschänderin"

Lotti Huber

Lotte Goldmann wurde als Tochter einer jüdischen Kaufmannsfamile 1912 in Kiel geboren. Sie besucht dort das Lyzeum, macht Abitur, ihr Interesse gilt dem Tanz. Mit ihrem Freund Hillert Luecken, Sohn des Kieler Oberbürgermeisters, zieht sie nach Berlin. Das unverheiratete Paar lebt zusammen, Hillert arbeitet als Syndikus in einer Maschinenfabrik, Lotte studiert Ausdruckstanz bei einer prominenten Tänzerin. Eine Kieler Bekannte denunziert die beiden wegen sogenannter “Rassenschande”. Hillert Lueken wird in der Untersuchungshaft hinterrücks erschossen, Lotte Ende 1937 in das KZ Moringen eingeliefert.

Sie schreibt in ihrer Autobiografie über ihre Haft in Moringen: “Zunächst kam ich in das Arbeitslager Moringen in Niedersachsen. Ende 1937 waren die Konzentrationslager für Frauen erst im Entstehen. Massenweise trafen Frauen aus allen Schichten der Bevölkerung ein: “Politische”, Intellektuelle, Frauen aus Arbeiterkreisen, aus gutbürgerlichen Familien, die teilweise von ihren Mitbürgern denunziert worden waren. Sie hatten angeblich das Nazi-Regime verächtlich gemacht. Der Leiter des Arbeitslagers war offensichtlich verwirrt von dem, was um ihn herum passierte. [...] Weder der Lagerleiter noch seine Aufseherin waren Nazis. Sie waren Sozialbeamte und gewöhnt, Prostituierte und “Arbeitsscheue” aufzunehmen. Was sollten sie mit der Frau eines Professors oder einer Abgeordneten oder einer harmlosen Hausfrau anfangen? Es fehlte nicht viel, und der Leiter hätte uns mit “meine Damen” angeredet.”

Mit dem ersten Transport in das neu errichtete KZ Lichtenburg wird sie dorthin überstellt. Durch Hilfe ihre Bruders Kurt kommt sie Ende 1938 frei und kann mit der Jugend-Alijah, der Jugend-Auswanderung, über die Schweiz nach Palästina emigrieren. Nach dem Krieg lebt sie unter anderem in Zypern und London, betreibt eine Bar und ein Restaurant. In den 1960er Jahren kehrt sie mit ihrem zweiten Mann, dem britischen Colonel Huber, nach Berlin zurück. Sie hat große Auftritte als Schauspielerin in den Filmen Rosa von Praunheims, als Kabarettistin, schreibt ihre Autobiografie und geht auf Lesereisen.

Lotti Huber starb 1998 in Berlin. Ihre Beerdigung auf dem jüdischen Friedhof wurde zu einer Demonstration der Künstlerszene, würdig, aber doch bunt und fröhlich.