KZ-Gedenkstätte Moringen

Uslar

Otto Kreikemeier aus Uslar

Otto Kreikemeier wurde 1906 in Arnis an der Schlei geboren. Er stammt aus einer Porzellanarbeiterfamilie, die ursprünglich in Fürstenberg an der Weser ansässig gewesen war. Sein Vater ging zur Marine, so wuchs Otto an der Ostsee auf. Er lernt Tischler, tritt früh der KPD bei obwohl seine Familie mit Ausnahme seines Vaters “im Großen und Ganzen sehr nazistisch” eingestellt war. 1930 kommt der junge Tischler als Rationalisierungstechniker in die Möbelfabrik Neugarten & Eichmann in Uslar, die später von den Ilse-Werken im Wege der sogenannten “Arisierung” d.h. durch die Übernahme jüdischen Eigentums oft unter Zwang, immer aber unter Wert, übernommen wurde. Ein Streik der Holzarbeiter politisiert Otto Kreikemeier weiter, er beginnt den aktiven Kampf gegen den Nationalsozialismus. Er wird Vertrauensmann der im Aufbau befindlichen KPD-Gruppe Uslar, wohnt in Eschershausen im Solling. Dort wird er Anfang März 1933 verhaftet und zunächst im Gerichtsgefängnis Northeim, dann ab April im KZ Moringen inhaftiert.

Er beschreibt seine Haftzeit wie folgt: “Moringen bedeutet schon einen Bruch in meinem Leben. Ich hatte eine ganz junge Familie. Mein Sohn war noch nicht geboren. Gedrückt hat mich Moringen schon mächtig. Man fragte sich schon: Wenn Du jetzt im Widerstand kaputt gehst – wem bringt das was? Ich stand schon vorher auf dem Standpunkt: Man kann für eine Sache leben, aber ich brauche doch nicht dafür zu sterben.” Die Haftbedingungen verschlechtern sich zusehends durch die neuen SS-Wachmannschaften. Er war erst im Straßenbau beschäftigt, muss dann Matten flechten. Während dieser Zeit wusste seine schwangere Frau Klara nicht, wie sie ohne Einkommen überleben sollte, wurde sozial isoliert. Nach der Entlassung aus Moringen im August 1933 muss Otto Kreikemeier die “Kosten” der Haft noch abarbeiten, wird überwacht. Zurück an seinem Arbeitsplatz in der Möbelfabrik organisiert er unter dem Deckmantel einer Gruppe von Rotkreuzhelfern eine antifaschistische Zelle. Dies war möglich, obwohl der “Arisierer” Karl Ilse lautstark den Nationalsozialismus unterstützte.

Im Betrieb war Ilse anscheinend nicht an einer “politischen Säuberung” interessiert. 1938 tritt Kreikemeier pro forma dem Nationalsozialistischen Kraftfahrerkorps (NSKK) bei, um in dieser von ihm als eher unpolitisch eingeschätzten Gruppe nach außen hin Loyalität zum NS-Staat vorzutäuschen. Dies wird ihm nach dem Krieg vorgeworfen, er verteidigt sich aber mit den Aussagen mehrerer Genossen, die bestätigten, dass die KPD diesen Schritt billigte, er im Betrieb den Kontakt zu Zwangsarbeitern hergestellt hat und als eine der Stützen der illegalen Parteiarbeit in Uslar galt. 1941 wird er zur Wehrmacht eingezogen und kehrt erst im Mai 1947 aus französischer Gefangenschaft nach Uslar zurück.

In den 1980 Jahren beginnt er mit anderen die fast vergessene Geschichte des KZ Moringen ins öffentliche Bewusstsein zu rücken und stellte sich als Zeitzeuge zur Verfügung. Otto Kreikemeier starb 1995.

 

 

Zur Vertiefung

Schäfer, Wolfgang; Kassau, Helmut (Hg.), Von der Werkbank zum Computer. Bilder, Berichte und Dokumente zur Sozialgeschichte der Sollinger Holzarbeiter, Göttingen 1993.

Espelage, Gregor, Das Männer-Konzentrationslager Moringen 1933. Selbstzeugnisse und Lebensspuren ehemaliger Häftlinge, hrsg. im Auftrag der Geschichtswerkstatt Hardegsen von Uwe Deppe, Ralf Spiwoks, Ms. Göttingen 1999. S.119-123