KZ-Gedenkstätte Moringen

Göttingen

Richard Borowski aus Göttingen

Richard Borowski wurde 1894 in einer Bergmannsfamilie in Hettstett im Mansfelder Land geboren. Nach dem Besuch der Volksschule wird er mit vierzehn Jahren selbst Bergmann. 1919 wird er Steiger im Kalibergwerk Vogelbeck bei Einbeck. Er heiratet, seine Frau Helene, geb. Probst bekommt drei Kinder. Nachdem er sich an einem Bergarbeiterstreik beteiligte, wird er entlassen. Er ist seit 1919 SPD-Mitglied, in den Zwanziger Jahren baut er die Partei in Einbeck zur stärksten Kraft auf, wird Lokalredakteur der Parteizeitung “Volksblatt”. Auf Grund seiner Erfolge wird er 1929 zum Sekretär des SPD-Unterbezirks Göttingen ernannt. Im Februar 1933 leitet er eine der letzten öffentlichen Versammlungen der “Eisernen Front”, der sozialdemokratisch-gewerkschaftlichen Abwehrorganisation gegen die Nationalsozialisten im völlig überfüllten Göttinger Volksheim. Im April und Mai wird er zweimal kurzzeitig inhaftiert. Er stellt gezwungenermaßen sein Amt als Göttinger Bürgervorsteher zur Verfügung.

Von Juni bis August 1933 ist er im KZ Moringen inhaftiert. Der Haft in Moringen folgen drei Jahre, in denen er immer wieder verhaftet und wieder freigelassen wird. Gegen den Entzug der Arbeitserlaubnis kann er erfolgreich klagen, dennoch geht es der Familie materiell schlecht, sie müssen sogar seine Bibliothek verkaufen. Seine Frau ist während seiner Haftzeit schwer erkrankt und stirbt 1936. Richard Borowski arbeitet inzwischen in einem Zementwerk. Im August 1944 wird er in einer Verhaftungswelle, die dem fehlgeschlagenen Attentat auf Hitler folgt, im KZ Neuengamme inhaftiert. Er kommt um Jahrzehnte gealtert, mit schneeweißem Haar im September zurück. Kurz vor Kriegsende soll er erneut inhaftiert werden, es gelingt ihm aber sich zu verstecken. Die britische Militärregierung ernennt ihn 1945 zum Landrat des Kreises Einbeck. Bei der Neugründung des Landes Niedersachen gehört er zu den ersten Landtagsabgeordneten. 1947 wird er von Ministerpräsident Kopf zunächst als Minister ohne Geschäftsbereich, dann ab 1948 als Innenminister in sein Kabinett berufen. Er setzt sich für die Unterbindung neonazistischer Aktivitäten ein, macht in der Zeit des beginnenden kalten Krieges aber auch Front gegen die KPD, obwohl er mit vielen KPD-Mitgliedern gemeinsam Häftling in Moringen gewesen war. Auch der VVN, deren Mitglied er zu Anfang noch war, stand er nun ablehnend gegenüber, 1951 wurde die Organisation zum ersten Mal verboten. In den Wiedergutmachungsverfahren warfen zahlreiche Opfer dem Innenministerium Bürokratismus und Verzögerungstaktik vor.

Richard Borowski starb im Juni 1956 in Hannover. Polizisten hielten die Totenwache und gaben ihm das Totengeleit.

 

 

Zur Vertiefung

Espelage, Gregor, Das Männer-Konzentrationslager Moringen 1933. Selbstzeugnisse und Lebensspuren ehemaliger Häftlinge, hrsg. im Auftrag der Geschichtswerkstatt Hardegsen von Uwe Deppe, Ralf Spiwoks, Ms. Göttingen 1999. S.19-28.