KZ-Gedenkstätte Moringen

Johann Kogoj

Interviewreise zu einem ehemaligen Kärntner Partisanen

Im Jugend-KZ Moringen waren Häftlinge aus sehr unterschiedlichen Gründen inhaftiert. Zu diesen konnte auch ein oppositionelles Verhalten oder eine Beteiligung an Widerstandshandlungen zählen. Seit Sommer 1943 wurden in das Jugend-KZ zahlreiche Jugendliche aus dem slowenisch-österreichischen Grenzgebiet eingewiesen. Ihnen wurde vorgeworfen, dass sie oder Angehörige ihrer Familien die Partisanen unterstützten, die sich nach der Besetzung Jugoslawiens im Jahr 1941 auf beiden Seiten der Grenze formiert hatten, um gegen die deutsche Wehrmacht zu kämpfen. Hierbei reichte bereits der bloße Verdacht aus, damit es zu einer Verhaftung kam.

Einer von ihnen war Kärntner Johann Kogoj, er gehörte zur slowenischen Minderheit. Im Oktober 1943 wurde Johann wegen Partisanenunterstützung verhaftet und kam anschließend in das Jugend-KZ Moringen. Gemeinsam mit den anderen slowenischen Häftlingen leistete er in der Heeresmunitionsanstalt (Muna) in Volpriehausen Zwangsarbeit. Im April 1945 erlebte er nach dem Evakuierungsmarsch die Befreiung.

Johann Kogoj hat den Ort Moringen nie wieder aufgesucht. Im Juni 2002 habe ich ihn und seine Ehefrau Johanna auf ihrem Hof in der Nähe von Bad Eisenkappel besucht und mit ihm ein Interview über seine Haft im Jugend-KZ geführt. Johann Kogoj erinnerte sich: „Kalt war’s, Holzschuhe, Fetzen, keine richtigen Strümpfe im Winter. Haben auch nur solche Betten aus Stroh gehabt, es war so hart, keine Heizung und nichts. Habe oft so geschlafen, dass ich die Hände unter den Füßen gehalten habe, aber die Knie waren kalt. Und ständig hungrig. Satt warst halt nie, hast nie was gekriegt, nur immer so eine Suppe, Kaffee ein bisschen, Brot ein bisschen, bisschen Butter und Marmelade für Frühstück. Ja, hab’ schon an zu Hause gedacht. Aber ich habe immer gedacht, ich werde es eh nie wieder sehen.“

Als Johann Kogoj nach seiner Befreiung im Juni 1945 wieder nach Hause kam, erfuhr er von einem Massaker, das sich noch in den letzten Kriegstagen in seinem Heimatort ereignet hat: Am 25. April 1945 stürmten Angehörige des SS- und Polizeiregiments 13 den Persmanhof, den Bauernhof der Nachbarsfamilie Sadovnik. Sie setzten Haus und Hof in Brand und töteten elf Mitglieder der Familien Sadovnik und Kogoj. Darunter waren auch zwei Geschwister von Johann Kogoj, sein zwölfjähriger Bruder Stanislav und seine dreijährige Schwester Adelgunda. Heute existiert auf dem ehemaligen Persmanhof eine Gedenkstätte, die an dieses Verbrechen erinnert und den Kampf der Kärntner Partisanen dokumentiert.

(D. Sedlaczek)