KZ-Gedenkstätte Moringen

Männer-KZ

Männer - KZ 1933

Im April 1933 wurde in den Räumen des Landeswerkhauses in Moringen eines der ersten Konzentrationslager des NS-Staates eingerichtet. Am 11. April 1933 traf die erste größere Gruppe von Häftlingen ein. Inhaftiert waren in Moringen oppositionell und antifaschistisch eingestellte Männer und einige Frauen, überwiegend Kommunisten, später auch Gewerkschafter und Sozialdemokraten. Insgesamt waren in Moringen ca. 1000 Personen inhaftiert. Die konkrete Haftdauer konnte nur wenige Tage, aber auch mehrere Wochen betragen, in einigen Fällen sogar sechs und sieben Monate.

Herkunft der Häftlinge

Die Mehrzahl der Häftlinge stammte aus dem Raum Hannover und aus Orten im Harz. Eine relativ große Zahl von Häftlingen kam aus den Städten Peine, Rinteln, Hameln, Syke und Alfeld. Einige Häftlinge stammten auch aus Göttingen und Hannoversch-Münden sowie den umliegenden Orten der Region, aber auch aus weiter entfernten Orten der damaligen Provinz Hannover. Die meisten Häftlinge waren Arbeiter oder kamen aus handwerklichen Berufen.

Bewachung

Das Bewachungspersonal bestand aus 51 Schutz- und Hilfspolizisten, darunter 30 als Hilfspolizisten verpflichtete arbeitslose SS- bzw. SA-Männer sowie Mitglieder des Stahlhelm aus Moringen. Das KZ Moringen unterstand zunächst einem Polizeioffizier, der als Lagerkommandant die Befehlsgewalt über die Häftlinge besaß. Für ständige Kompetenzschwierigkeiten sorgte allerdings der Umstand, dass das Hausrecht beim Direktor des Werkhauses lag. Auf Anordnung des Preußischen Innenministers vom 31. Juli 1933 erfolgte der Austausch des Schutzpolizeikommandos durch SS-Mannschaften.

Hungerstreik

Am Abend des 21. Juni 1933 begann ein Großteil der Häftlinge mit einem Hungerstreik. Die Protestaktion richtete sich sowohl gegen die Haftbedingungen, vor allem gegen die unzureichende Ernährung, wie auch gegen die Inhaftierung selbst. Am 24. Juni waren bereits 10 Häftlinge zusammengebrochen und mussten ärztlich behandelt werden. Anschließend wurde die Trinkwasserzufuhr abgestellt und damit begonnen, besonders geschwächte Häftlinge zwangsweise zu ernähren. Nach insgesamt fünf Tagen brachen die Häftlinge den Streik ab. Anschließend verbesserte sich die Verpflegung. Ansonsten zeigten sich umgehend die negativen Folgen der Protestaktion: So wurden die Besuchsmöglichkeiten und der Postempfang, der auch Lebensmittelpakete betraf, eingeschränkt.

Die SS übernimmt die Bewachung

Mit der Übernahme der Bewachung durch die SS trat eine Verschärfung der Haftbedingungen ein. Misshandlungen der Häftlinge durch SS-Leute waren künftig an der Tagesordnung. Bereits bei der Einlieferung wurden die Häftlinge mit Schimpfworten und Fußtritten empfangen. Die nach der Aufnahme sich anschließende Einweisung in die Zellen war meist mit einem “Spießrutenlauf” durch ein Spalier von SS-Leuten verbunden, die den Neuankömmling mit Faustschlägen, Fußtritten oder Gummiknüppeln misshandelten. Damit die Schreie der Misshandelten nicht nach außen dringen konnten, wurde eine eigene Prügelzelle, das sog. “Freudenzimmer”, eingerichtet.

"Frauenschutzhaftabteilung"

Im Juni 1933 wurde im KZ Moringen eine eigene “Frauenschutzhaftabteilung” eingerichtet. Die Unterbringung der weiblichen KZ-Häftlinge erfolgte gemeinsam mit den weiblichen Insassen des Werkhauses. Am 3. Juni wurden die beiden ersten Frauen eingeliefert, darunter die dreiundzwanzig-jährige Hannah Vogt aus Göttingen. Bis Mitte Oktober 1933 waren die Belegungszahlen nur gering, danach stiegen sie auf 128 Anfang November und schließlich 141 Mitte November an. Die Inhaftierungsgründe lagen in der Regel in der politischen Betätigung der Frauen. Ab Oktober 1933 wurde damit begonnen, die männlichen Häftlinge in andere Konzentrationslager zu verlegen. Ein Teil von ihnen wurde in die Emslandlager und ein anderer Teil Ende November in das KZ Oranienburg überstellt. Eine geringe Zahl von Häftlingen wurde in das KZ Brandenburg verlegt.