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Informationen zur Geschichte der Moringer Konzentrationslager und zur Arbeit der Gedenkstätte

Moringen ist eine Kleinstadt mit ca. 4.700 Einwohnern im südlichen Niedersachsen. Der Ort liegt ca. 100 km südlich von Hannover und ca. 20 km nordwestlich von Göttingen. Zwischen 1933 und 1945 bestanden in Moringen - mitten im Ortskern - drei Konzentrationslager:

Luftbild

Männer-KZ 1933

Im April 1933 wurde in Moringen eines der ersten Konzentrationslager des NS-Staates eingerichtet. Inhaftiert wurden oppositionell und antifaschistisch eingestellte Männer und einige Frauen der Arbeiterbewegung (u.a. KPD, SPD) aus der damaligen Provinz Hannover. Die Häftlinge waren Terror und Grausamkeiten der SS hilflos ausgeliefert. Das Lager wurde im November 1933 aufgelöst. Die männlichen Häftlinge wurden in Polizeiaufsicht 'entlassen' oder in andere Konzentrationslager überstellt.
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Frauen-KZ 1933-1938

Im Oktober 1933 wurde hier ein Frauen-KZ eingerichtet. Zu den inhaftierten ca. 1350 Frauen aus dem gesamten Reichsgebiet zählten neben Angehörigen der Arbeiterbewegung u.a. auch 'rassisch' und religiös Verfolgte (Zeuginnen Jehovas), Prostituierte und Remigrantinnen. Ende März 1938 wurde das Lager aufgelöst, und die Frauen überstellte man in das Frauen-KZ Lichtenburg bei Torgau. Viele von ihnen kamen später ins KZ Ravensbrück.
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Jugend-KZ 1940-1945

Unter der Bezeichnung "polizeiliches Jugendschutzlager" wurde in Moringen im Juni 1940 ein Konzentrationslager für männliche Jugendliche eingerichtet. Die Inhaftierten waren im Alter von etwa 12 bis 22 Jahren und kamen aus dem deutschen Reichsgebiet und aus den von deutschen Truppen besetzten Ländern Europas. Sozial, 'rassisch', religiös oder politisch verfolgte junge Menschen waren hier unter SS-Terror, Zwangsarbeit, Hunger und drakonischen "Erziehungsmethoden" extrem lebensfeindlichen Bedingungen ausgesetzt. Viele Jugendliche starben aufgrund dieser Lebensumstände. Viele wurden auf der Grundlage von "erb- und kriminalbiologischen Gutachten" zwangssterilisiert oder in andere Konzentrationslager deportiert.

Ab 1941 war das Jugend-KZ Experimentierfeld innerhalb der NS-Rassenpolitik. Sogenannte Kriminalbiologen - unter der Führung von Dr. Dr. Robert Ritter - versuchten ihre Thesen, wonach "Kriminalität" und "Asozialität" erblich bedingt sein sollten, mit pseudowissenschaftlichen Untersuchungen an den inhaftierten Jungen zu belegen. Im Rahmen der NS-Rassenbiologie sollte auf der Basis der in Moringen geschaffenen "wissenschaftlichen" Grundlagen die rassistische Rechtfertigung für die Ausrottung oder Unfruchtbarmachung ganzer Bevölkerungsgruppen in Deutschland und den besetzten Gebieten geschaffen werden. Versuchsobjekte waren die jungen Häftlinge.

pdfDas Jugend-KZ Moringen

Zur Entstehung der KZ-Gedenkstätte Moringen

In den achtziger Jahren begannen Bürgerinnen und Bürger aus Moringen und Umgebung, sich intensiv mit der bis dahin verdrängten und auch von der Historischen Wissenschaft nicht wahrgenommenen Geschichte der drei Moringer Konzentrationslager zu beschäftigen. Damit setzte ein spannungsreicher Prozeß der Auseinandersetzung mit diesem Teil der Ortsgeschichte ein. Aus der Gruppe jener Bürgerinnen und Bürger, die mit großem Engagement die Aufarbeitung der Geschichte der Moringer Lager betrieben, entstand 1989 der Verein "Lagergemeinschaft und Gedenkstätte KZ Moringen e.V." Dieser ist auch der Träger der 1993 gegründeten KZ-Gedenkstätte.

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